BARRIEREFREIHEIT IN APPS
17. März 2026
Barrierefreiheit ist seit 2025 Pflicht. Warum die Nachrüstung fast immer teurer ist als die Vorsorge ‒ und welche drei Fragen Sie Ihrem Team stellen sollten.
Barrierefreiheit:
Drei Fragen, bevor das Audit kommt
Seit Sommer 2025 ist Barrierefreiheit für viele digitale Produkte Pflicht. Die Umsetzung ist selten das Problem. Der Zeitpunkt ist es.
Die aktuelle Lage
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025. Es betrifft unter anderem Onlineshops, Buchungsstrecken, Kundenportale und mobile Apps im B2C-Markt. Für Kleinstunternehmen gibt es Ausnahmen, für Bestandsprodukte teils Übergangsfristen ‒ ob Ihr Produkt betroffen ist, klärt im Zweifel eine juristische Prüfung.
Das Gesetzt setzt die EU-Norm EN 301 549 („Accessibility requirements for ICT products and services") um und regelt im Detail, wie Barrierefreiheit in Software konkret aussehen muss.
Wir schauen uns in diesem Artikel einmal genauer an, was eine Umsetzung dieser Vorschriften bedeutet und wie sie kosteneffizient gelingen kann.
Warum dieselbe Arbeit dreimal so teuer wird
Die Anfragen, die uns erreichen, klingen fast immer gleich: „Wir haben ein Audit bekommen, hier sind 10 Punkte, was kostet das?"
Die einzelnen Korrekturen sind klein. Teuer wird, wo sie liegen. Barrierefreiheit steckt im Design, in den wiederverwendeten Bausteinen und in der Navigation ‒ also in dem Teil, der überall in der Anwendung auftaucht. Wer das nachträglich anfasst, fasst alles an und muss anschließend alles erneut testen. Wer es vorher berücksichtigt, zahlt in der Konzeption ein paar Stunden und im Design ein paar Entscheidungen.
Dazu kommt ein zweiter Kostentreiber, über den selten geredet wird: Nachrüstung passiert unter Termindruck, meist mit einer Frist von außen. Das ist die teuerste Art, Software zu ändern.
Was wir bei EAT-TAXI gemacht haben
Bei EAT-TAXI, einer Bestellplattform, die wir beim Markteintritt in Hof begleiten, sind wir den umgekehrten Weg gegangen: erst eine Bestandsaufnahme gegen die geltenden Standards, daraus ein Arbeitsplan, dann Umsetzung im normalen Entwicklungsablauf statt in einem Sonderprojekt.
Zwei Dinge haben wir dabei gelernt, die für jede Software relevant sind.
Ein Fundament spart viel händischen Aufwand, deckt aber nicht alles ab
Wir setzen auf die Komponentenbibliothek nuxt/a11y, die einen großen Teil der technischen Anforderungen von Haus aus erfüllt. Was sie nicht erledigt: Alles, was mit der App auf dem Gerät zu tun hat, und die europäischen Zusatzanforderungen wie Schriftvergrößerung, kontrastreiche Darstellung und reduzierte Bewegung. Diese Punkte bleiben Projektarbeit ‒ kalkulierbar, aber eben doch ein (kleiner) Mehraufwand. So stellen wir sicher, dass Ihre Software den strengen europäischen Anforderungen genügt.
Grüne Haken sind kein Nachweis
Eine automatische Prüfung läuft bei jeder Änderung mit und verhindert Rückschritte. Sie ersetzt aber nicht den Durchlauf mit echten Hilfsmitteln. Bei uns hat beispielswiese eine Funktion für kontrastreiche Darstellung monatelang korrekt ausgesehen und auf dem iPhone nie ausgelöst ‒ technisch einwandfrei, praktisch wirkungslos. Genau das ist der Unterschied zwischen „umgesetzt" und „konform". Apps, die mithilfe von KI erstellt wurden und ohne den erfahrenen Blick eines Senior-Entwicklers veröffentlicht werden, erfüllen die strengen Kriterien der europäischen Richtlinien zur Barrierefreiheit meist nicht vollständig.
Drei Fragen an Ihr Team
Wissen wir, wo wir stehen?
Eine Bestandsaufnahme kostet ein bis zwei Tage. Wir helfen Ihnen dabei!
Wird Barrierefreiheit geprüft, bevor etwas ausgeliefert wird?
Wenn nein, können neue Fehle entstehen, bevor bestehende behoben werden.
Hat jemand die Anwendung einmal so bedient, wie Betroffene sie bedienen?
Ohne diesen Durchlauf ist jede Konformitätsaussage nur eine Vermutung.
Der Nebeneffekt
Barrierefreiheit verbessert die Bedienbarkeit für alle. Größere Schaltflächen werden auch von Menschen ohne Einschränkung zuverlässiger getroffen, klare Beschriftungen helfen jedem beim ersten Öffnen, und Vorlesefunktionen nutzen längst Leute, die Rad fahren oder kochen. Bei Web-Anwendungen zahlt saubere Struktur zusätzlich auf die Auffindbarkeit über Suchmaschinen ein. Es lohnt sich also fernab der formalen Erfüllung von gesetzlichen Standards, den Fokus auf dieses wichtige Thema zu legen.
Fazit
Barrierefreiheit ist kein Modul, das man am Ende dazukauft, sondern eine Reihe kleiner Entscheidungen, die früh verhältnismäßig günstig spät teuer sind.
Sie haben ein Audit auf dem Tisch oder wollen wissen, wo Ihr Produkt steht? Sprechen Sie uns an ‒ wir sortieren mit Ihnen, was Pflicht ist, was Aufwand spart und was warten kann.
App-Entwicklung
Barrierefreiheit
BFSG
Recht
Digitalisierung
EAT-TAXI
EU-Norm
EN 301 549
René Krause
[email protected]

